Tagebuch - Auge
Mitte Juli 2012
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Habe Problem mit meinem rechten Auge. Metall geschliffen ohne Schutzbrille. Zum Glück kann ich noch sehen. Ist jetzt vier Wochen her.
Den Unfall habe ich zunächst unterschätzt, weil nach dem Auswaschen mit Wasser nichts gepickt hat. Der Schrott war im Auge und ist eine Woche später entfernt worden. Seitdem sehe ich auf dem Auge verschwommen. Über die verletzte Netzhaut mag ich nicht nachdenken. Der Arzt behauptet, dass kommt vom grauen Star (angeboren). Da bin ich noch anderer Meinung, weil das erst nach dem Unfall so ist. Bin bisher auch immer von einer Hornhautverkrümmung ausgegangen, die bisher jede neue Brille zum Abenteuer machte. Am Donnerstag ist der nächste Termin. Vielleicht klärt sich da etwas. Jedenfalls ist alles kompliziert, weil ich nicht Auto fahren kann.
Wir sind gerade zurück, aus der Klinik. Bin eigentlich ganz happy. Beim ersten Mal war das Sehvermögen 10%, vorige Woche 30%, heute 40% - alles ohne Brille. Die Wolke (spanisch Nube), oder der Nebel braucht noch Zeit. Es ist immer noch Rost im Auge. Der Arzt sieht das aber eher positiv - er hat zusätzlich Tropfen verschrieben, die den Tränenfluss verstärken sollen. Wie im Kino - hier aber zum Müll entfernen. Er glaubt nicht, dass an dem grauen Star, oder der Hornhautverkrümmung, durch O.P. was zu ändern ist. Es ist aber viel zu früh, darüber zu diskutieren. Muss mich jetzt mal ernsthaft mit meiner Schwester unterhalten. Die hat den gleichen angeborenen Fehler und hat sich operieren lassen.
Habe den nächsten Termin - Urlaubsbedingt - Ende August. Bis dahin träufele ich weiter und hoffe, dass der Nebel verschwindet. Renne hier auch mit der größten und dunkelsten Sonnenbrille rum, die ich finden konnte. Wusste aber nicht, dass die Lichtempfindlichkeit von den Tropfen kommen kann. Schmerzen habe ich zum Glück keine.
Anfang August 2012
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Mit dem Auge ist seit letzten Samstag ein Erschwerung eingetreten. Hatte nach dem Unfall in drei Wochen eine Verbesserung des Sehvermögens von 10% auf 40% mit Schleier. Seit Samstag Nachmittag, quasi null. Nur noch Licht. Was davon der angeborene graue Star und zu operieren ist oder der Unfall, weiß ich nicht. Gestern habe ich mit meiner Schwester in Berlin gesprochen. Die hat grauen Star und ist operiert worden, mit sehr gutem Ergebnis. Allerdings war ich kurz in Panik, weil ich gern zum Arzt gegangen wäre, wegen des "plötzlichen" Sehverlustes. Mein Augenarzt ist in Urlaub, da habe ich Ende des Monats Termin. Ein Anderer ist nicht aufzutreiben - und das als Privatversicherter.
Vielleicht hilft ja auch ein bisschen Geduld. Viele Leute haben jetzt rote Augen, wegen des "Calima" ist viel Sand in der Luft. Habe auch eine leichte Bindehautentzündung, die ich vorher so nicht hatte.
Bin nicht so optimistisch wie sich das vielleicht anhört. Habe mir aber nun mal Teneriffa ausgesucht. Die Kanaren sind der A... der spanischen Welt und Médano der A... der Welt von Teneriffa, jenseits von Afrika (das wird mir immer bewusster).
Ende August 2012
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Konnten den Arzttermin eine Woche vorverlegen. Es ist schlimmer als wir dachten. Die Wunde ist aufgegangen und seit zwei Wochen ist Flüssigkeit ausgetreten. Der Doktor war kurz davor, mich in die Klinik Candelaria einzuweisen. Konnte dann aber doch die Wunde schließen. Er hat mich vier Stunden, auf einer Liege, zu absoluter Ruhe verdonnert. Dann hat er eine Kontaktlinse aufgesetzt. Jetzt warten wir auf einen Spezialkleber aus Madrid. Bin von ihm weiterhin auf das Sofa verbannt. Ich soll mich vor zu hartem Stuhlgang vorsehen und nur Cholas (Latschen) tragen, wegen dem Bücken zum Schnürsenkel binden. Muss Antibiotika schlucken, dazu kommen diverse Augentropfen. Zum Glück gab es keine Infektion, die hätte das Auge kosten können. Wundere mich, dass die Kontaktlinse seit fast einer Woche Problemlos ist. Das Sehvermögen hat sich minimal verbessert, der Doktor verweigert aber jede Prognose dazu.
Nach den drei Terminen diese Woche, soll am Montag geklebt werden, falls der Kleber da ist. Der Kleber liegt beim Zoll. Habe nicht gewusst, dass zwischen Madrid und Teneriffa, der Zoll eine Rolle spielt. Mittwoch ist der nächste Termin.
Anfang September 2012
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Der Kleber ist angekommen. Beim Unfall habe ich mir die Linse zerschossen. Die ist später komplett aufgegangen. Das wurde verklebt, mit einem Kleber, der auch für Gehirn-O.P. verwendet wird (Histoacryl - Fa.B.Braun / Tuttlingen). Die O.P. war nicht angenehm, ist aber überstanden. Jetzt warten wir ab.
Bei einigen ist der Eindruck entstanden, dass es sich hier um das Dschungel-Hospital von Albert Schweitzer in Lambarene handelt. Die Clinica Costa Adeje-San Eugenio ist eine Privat & Poliklinik, mit ruhiger, gepflegter Atmosphäre und erstklassigem Personal. Es gibt keine Wartezeiten und der Arzt weiß was er tut. Glaube ich.
Nachdem der Arzt am Dienstag eine gute und drei schlechte Nachrichten hatte, bin ich etwas unwirsch und nicht sicher was ich glauben soll.
- Das Auge ist dicht und muss nicht entfernt werden,
ist die gute Nachricht. Die Schlechten:
- Die Linse ist kaputt und ich werde damit nichts mehr sehen.
- Die Sehfähigkeit des anderen Auges lässt sich nicht verbessern.
- Angeborenen grauen Star kann man nicht operieren.
Maria hat für mein Auge eine Kerze für St.Lucia angezündet. Ob ich an so etwas glaube, ist dabei nicht wichtig, wenn Maria hofft, dass es hilft.
Heute gab es wieder etwas Neues. Beim Duschen ist die Kontaktlinse raus gegangen. Zum Glück habe ich es gemerkt und die Linse gefunden. Mir fiel dazu gar nichts ein, so etwas passiert immer am Wochenende. Maria hat mich schnurstracks zu Optiker geschleppt. Dort haben sie die Linse eingeweicht und wieder eingesetzt.
Am Samstag kam es richtig dick. Maria liegt in der Uniklinik Canderlaria mit einer Thrombose. Und wie ich das sehe mit einem kleinen Schlaganfall. Wie wir seit gestern wissen, mit geringeren Folgen als befürchtet. Sie kann sprechen, hat nur kleine Probleme mit dem Bein. Am Anfang sah das schlimmer aus. Sie liegt seit gestern Abend in einem normalen Zimmer und nicht mehr auf der Wachstation, und meckert mit Devora, weil sie die falschen Latschen mitgebracht hat. Das ist ein gutes Zeichen.
Oktober 2012
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Ich warte seit Wochen darauf, dass der Doktor mal was Positives sagt. Am Dienstag hat er sich geäußert. Wenn der Kleber sich weiter gut umsetzt, können wir demnächst an die OP denken. Neue Linse gegen den grauen Star. Das andere Auge hat er auch untersucht, Augenhintergrund etc. - Vor zwei Wochen hat er noch gesagt: "No soy un vendedor de umo (ich bin kein Verkäufer von Rauch, im Sinne von heißer Luft)". Vorher hat er auch bestritten, dass die OP überhaupt möglich ist. Ist mir auch egal, wenn es vorwärts geht.
Letzter Termin Oktober. Weiter warten, dass der Kleber sich auflöst. Nächster Termin Anfang Dezember. Aber ich bin geduldig, seit es bessere Aussichten gibt.
Freunde haben mir ein Hörbuch geschenkt. Am Anfang war das etwas ungewohnt, jetzt geht es ganz gut. Muss mal sehen was sich hier finden lässt. In Alemania wäre ich in drei öffentlichen Bibliotheken eingetragen.
Maria war inzwischen 40 Min. im Scanner in der Uniklinik Candelaria, bisher ohne Ergebnis. Der Neurologe in Mochon hat aber schon die Reha angeordnet. Sie fährt jetzt dreimal pro Woche mit der Ambulancia dorthin und macht ganz gute Fortschritte.
November 2012
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Habe beim Duschen wieder die Kontaktlinse verloren. Der Kleber hat am ersten Tag ziemlich gekratzt. Danach ging es. Mussten trotzdem den Arzttermin vorverlegen, um die Linse zu erneuern. Es ist alles okay - der Kleber ist plangeschliffen. War vielleicht nicht schlecht. Hoffe jeden Morgen, dass ich etwas mehr sehe. Der Arzt hat mir wieder einen Dämpfer verpasst. Er rechnet mit einem halben Jahr. Und die O.P. kann nicht auf Teneriffa gemacht werden, weil sie komplizierter ist, als der normale Linsenwechsel. Den macht in Deutschland der Krankenhaus-Pförtner am Fließband, hat meine Schwester gesagt. Wo operiert werden müsste, weiß der Doktor (noch) nicht. Habe mit Maria besprochen, dass sie mit meiner Versicherung Kontakt aufnimmt, um evtl. eine zweite Arztmeinung einzuholen. Mir kommt das alles komisch vor. Vielleicht hätte ich mit dem Doktor nicht über Angela Merkel diskutieren sollen. Bin aber eigentlich ganz positiv. Das Augentagebuch hilft die Dinge zu sortieren. Ich hätte das Auge verlieren können, oder blind sein. Der Doktor ist einer von der "Glas-halb-leer" Sorte. Bis Mitte Oktober war er komplett negativ. Jetzt hat er sich informiert und erzählt das Gegenteil. Mal sehen was demnächst kommt. Ist ja der Grund, warum ich mal mit einem anderen Augenarzt reden möchte. Solche Verletzungen sind vielleicht nicht so häufig. Und dass es auf Teneriffa keine private Spitzen-Augenklinik geben kann, hätte mir auch schon einfallen können. Mal sehen was die Versicherung sagt. Die sind vielleicht begeistert, wenn ich ihnen erzähle, dass ich in der Uniklinik Essen behandelt werden möchte.
Dezember 2012 – Januar 2013
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Der Termin 19. Dezember ist ausgefallen, weil wir den Transport nicht organisieren konnten. Weihnachten & Neujahr ohne Vorkommnisse. Termin 11. Januar - habe mich nicht auf die Familie verlassen. Detlev hat mich gefahren. Der Doktor hat wieder etwas Neues: "Die Behandlung ist abgeschlossen - es kann operiert werden". Seine Empfehlung: Eine Klinik in Santiago de Compostela - Galicien-Nordspanien. Hätte ich mir denken können, er kommt von da. Ist aber vielleicht normal, dass empfohlen wird, was man kennt.
Victor, aus dem hiesigen MAPFRE-Büro, hat mir fünf Kliniken in Santa Cruz und einen Augenarzt, hier in der Nähe, für die "zweite Meinung", raus gesucht. Termin 23. Januar, 18.00 Uhr. Handball-Viertelfinale Spanien - Deutschland, gleicher Termin. Werner hat mich trotzdem hingefahren. Golf del Sur - eine neue Poliklinik mit bombastischem Wartesaal mit Glaskuppel und einem Riesenfernseher. Der Fernseher ist aber nur Attrappe - Handball ging nicht. Die Behandlung ohne Wartezeit. Der Arzt hat erst die Papiere durchgesehen. Aber gleich gesagt, dass die Kliniken in St. Cruz nicht in Frage kommen. Dann hat er mir mit dicken Wurstfingern die Augen aufgerissen und das Ganze mit einem 1000 Watt Scheinwerfer beleuchtet. Wusste nicht, dass Licht so weh tut. Jedenfalls ist nach seiner Meinung alles okay. Jetzt weiß ich wirklich San Eugenio zu schätzen. Dr. Perez Dieste hat sich die Hände gewaschen bevor er an die Augen ging und seine Spaltlampe hat auch nie gestört. Die Klinik Golf del Sur, mit englischer Empfangsdame, ist Attrappe für Ausländer.
Eine Klinik haben wir noch nicht. Marias Freundin in Las Palmas, hat gestern den ganzen Tag damit verbracht, die Kliniken auf Gran Canaria zu checken. Ich beschäftige mich immer mehr mit dem Gedanken an Santiago de Compostela. Ryan Air hat einen Direktflug von Teneriffa Süd - hin & her 110€, da geht der Residentenrabatt noch runter. Santiago ist der Endpunkt vom Jakobsweg. Vielleicht ist die Augengeschichte mein persönlicher "Camino Santiago".
Februar 2013
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Sollte mir wirklich eine richtige Augenklappe zulegen. Die Jungs hier in Médano haben schon den "Pirata del Caribe" auf der Pfanne.
Leider ist die Klinik in Santiago de Compostela nur für die weitere Konsultation benannt, sodass wir immer noch nicht wissen, wie es weiter geht. Maria bemüht sich um einen Termin in der Clinica Parque in St. Cruz. Da soll eine Augenchirurgin sein.
Am 13. war ich mit Aaron in der Clinica Parque in St. Cruz. Jetzt habe ich begriffen, dass eine Hornhauttransplantation gemacht werden muss & kann. Eine junge, sehr professionelle Ärztin (Chirurgin) sagt auch, es gibt auf den Kanaren keine private Klinik dafür. Aber in der Uniklinik Candelaria ist die OP machbar. Das hat sie mir schriftlich gegeben, sodass ich es bei der Versicherung, wegen der Kostenübernahme einreichen konnte. Jetzt kommt es darauf an, was die entscheiden. Die Uniklinik gehört zur Sozialversicherung und eigentlich für mich als Privatpatient nicht zuständig. Aber sie ist eine der führenden Kliniken für Transplantationen in Europa (Habe ich gehört???). Es geht aber auch um die Organspende. Habe keine Ahnung, ob das mit der Augenhornhaut schwierig ist. Immerhin hat Spanien die Widerspruchslösung, einen Organ-Zirkus wie in Alemania gibt es hier wohl nicht.
März – April 2013
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Seit Wochen probiere ich, dass die MAPFRE mir eine Klinik nennt, die eine Hornhauttransplantation macht. Vier Ärzte haben mir – unabhängig voneinander - gesagt, dass es keine private Klinik auf den Kanaren für diese OP gibt. Dann großes Erstaunen – es gibt eine Klinik auf Gran Canaria. Terminvereinbarung: Deutsch sprechende Mitarbeiterin (Roxana aus Venezuela) ruft zurück – Termin 11. April –
Die Fähre buchen war das erste Abenteuer. Rentner & Residentenrabatt machen die Überfahrt günstig, dachte ich. Montag habe ich mich nach dem Preis erkundigt. Mittwoch wollte ich buchen, nachdem der Termin klar war, da war das Ticket fast doppelt so teuer. Also ohne Buchung.
Am 11. Vormittags mit dem Bus nach ST. Cruz – mit umsteigen am Busbahnhof. Wünsche mir manchmal eine gelbe Binde mit schwarzen Punkten, wenn ich jemand fragen muss was auf einem Schild steht. Würde in Spanien aber nichts nutzen. Die Sehbehinderten erkennt man hier am Teleskopstock oder an den Losen für die Blindenlotterie an der Jacke. Auf dem linken Auge habe ich schon immer nur 25-30% Sehfähigkeit. Rechts bin ich blind. Zum Glück muss ich in ST. Cruz keine Straße überqueren. Habe immer Angst, dass mich jemand überfährt.
Komme problemlos zu Fähre. Hier habe sie wieder andere Preise und den Rat, die Rückfahrt in Las Palmas zu buchen, weil es günstiger ist. Mal sehen.
Eine Stunde Wartezeit auf die Doppelrumpf-Schnellfähre von Fred Olsen. Darauf freue ich mich – 40 Minuten Fahrzeit sind angesagt. Dann die Enttäuschung – der Kapitän nennt 1 Stunde 25 Minuten. Am Ende dauert es 2 Stunden. Der Kahn tuckert wie eine Ente über den Teich, um Sprit zu sparen. Meinen Termin um 15.30 kann ich nie einhalten.
Gegen 15.00 bin ich in AGAETE – dann mit dem Bus nach Las Palmas, zum Olsen-Büro am Parque St. Catalina. Dann mit dem Taxi zur Klinik. Inzwischen habe ich eine Verspätung von 40 Minuten. Dann die nächste Überraschung – habe einen Zettel vom MAPFRE-Büro El Médano, mit der Anschrift der Klinik. Dort gibt es zwar eine Augenklinik, aber nicht meine.
Aber die Angestellten sind hilfsbereit, suchen meine Klinik raus, lassen sich meinen Termin bestätigen und rufen mir ein Taxi. Solche Hilfsbereitschaft möchte ich mal in Alemania erleben.
Dann bin ich endlich richtig, mit mehr als einer Stunde Verspätung. Aber das ist wieder spanisch. Alle freuen sich, dass ich überhaupt angekommen bin. Verspätung spielt keine Rolle – Termine sind Absichtserklärungen.
Die Klinik ist ein gepflegtes älteres Gebäude. Im Wartezimmer läuft großen Bildschirmen Werbung für Laser-OP. Der Arzt ist okay – die Ausstattung hat nicht den Standard der Clinica Parque in St. Cruz. Das böse Erwachen kommt erst am Schreibtisch der Klinikchefin. Neben einem Wust von Risikoformularen, eine Rechnung über 2.500,-€ für die Ersatzhornhaut. Da wird mir klar, dass die die OP ambulant gemacht werden soll. Ich bin so perplex, dass ich nur noch frage, ob ich nach der OP nach Teneriffa fliegen könnte. Davon raten sie ab.
Die Rückfahrt ist langweilig. Meine Fähre um 18.00 habe ich verpasst. Mit dem Taxi zum Parque St. Catalina – sitze da über eine Stunde rum. Dann mit dem Bus zum Schiff – aber diesmal Hafen Las Palmas. Zwei Stunden nach Teneriffa. Dann Taxi zum Busbahnhof – Bus nach San Isidro – Taxi nach El Médano. Um 23.30 bin ich zuhause. Mehr als 13 Stunden unterwegs.
Mai – Oktober 2013
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Bei den Unterlagen der Klinik in Las Palmas war eine Checkliste. Brauche eine Bescheinigung vom Zahnarzt, dass keine Infektion besteht. Habe doch einen kaputten Zahn. Das zieht sich vier Wochen hin. Außerdem gibt es eine Reihe von Voruntersuchungen die ich machen muss. Dafür habe ich die Kostenübernahmen von der MAPFRE.
Mir geht diese ambulante Klinik in Las Palmas nicht aus dem Kopf. Frage alle, was ich davon halten soll. Die Meinungen gehen von „weiß nicht“ bis „habe ich noch nie gehört, dass man so was ambulant macht“. Nur der Augenarzt von Doris in Berlin äußert sich. Eine Hornhauttransplantation ist keine ambulante OP.
Stück für Stück wird mir klar worum es bei der MAPFRE geht. Die Tante aus Uruguay im Büro Médano und eine Sachbearbeiterin in St.Cruz suchen eine Klinik im Internet, die sich die OP zutraut und schicken mich dort hin. Inzwischen fange ich mit Victor, dem Bürochef in Médano, eine Diskussion an. Dabei klaue ich ihm eine eMail, wo sich die Tante in St.Cruz darüber auslässt, ob mein angeborener grauer Star eine Vorerkrankung ist, die im Versicherungsantrag verschwiegen wurde, damit die Kostenübernahme verweigert werden kann. Ich fordere ihn auf, den ganzen Kram endlich einem Arzt vorzulegen. Mir wird klar, das es bei der Frage ambulante OP darum geht wer die Hornhaut bezahlt. Mein Tarif beinhaltet Medikamente und Hilfsmittel nur bei stationärer Behandlung.
November – Dezember 2013
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Am 7. November bin ich auf den Campingplatz umgezogen. Beim Umzug habe ich die Augentropfen verbummelt. Bin gegen den Wind nach Médano gelaufen. Treffe dort Bekannte und vergesse, dass die Apotheke Samstag Nachmittag zu ist. Am 12. hatte ich eine Infektion am verletzten Auge. Mit Aaron zur Clinica Adeje - Dr. Perez Dieste hat mir drei Pillen Antibiotika verschrieben. Neuer Termin 14. Vormittags.
Absolute Katastrophe: Das Auge ist verloren, der Doktor wollte gleich amputieren. Ich war komplett perplex. Aaron erklärt ganz locker, dass wir eine zweite Meinung einholen wollen.
Nachmittags zur Clinica Parque. Dra. Blanca Montesinos Ventura hat sich nicht weiter geäußert, mich aber in die Uniklinik Candelaria überwiesen. Um halb sechs kommen wir in der „Urgencia“ an. Von dem Chaos dort hatte ich schon gehört. Viele Betten auf dem Gang und volle Wartezimmer. Maria hat mit ihrem Schlaganfall drei Tage dort gelegen, Ich weiß nicht woran es lag. An den Schrieb der Privatklinik, oder dass Aaron die Schwestern becirct hat. Eine halbe Stunde später sitze ich in einer Ecke und hänge am Tropf mit Antibiotika. Dann eine Stunde Untersuchung durch zwei Augenärztinnen. Sie machen Abstriche und legen Kulturen an. Dann sagen sie mir, dass ich im Krankenhaus bleibe. Danach - wie nebenbei – Blutentnahme, eine Vollröntgenaufnahme und EKG. Dann geht der Sicherheitschef rum und schmeißt alle Besucher raus, die nicht gebraucht werden – Aaron auch. Dann kommt irgendwann eine Schwester, drückt mir einen Schlafanzug und eine Tüte für meine Klamotten in die Hand, zeigt mir das Bad wo ich mich umziehen kann und setzt mich in einen Rollstuhl. Dann werde ich von einer Schwester durch Gänge und Fahrstühle gekarrt. Meine Bemerkung, dass ich es an den Augen und nicht an den Füssen habe, macht keinen Eindruck – Vorschrift ist Vorschrift. Um 23.30 liege ich im Bett – allein in einem Zweibettzimmer. Die Schwestern sorgen dafür, dass ich noch etwas zu essen bekomme. Daran hätte ich keinen Moment gedacht. Dann neue Tropfbeutel. Versuche mir das spanische Wort dafür zu merken: „ El Suero (das Serum)“. Dann stündlich - Tag und Nacht fünf verschiedene Augentropfen. Die Schwestern sind sehr Gewissenhaft. Kriege aber nicht viel mit, es sind wohl Schmerz-oder Beruhigungsmittel in den Medikamenten. Am nächsten Mittag kommt Aaron mit Sanitärkram etc.- Die Oberschwester erklärt mir, dass Privatklamotten nicht erwünscht sind, als sie mich in meinem Jogginganzug sieht. Jeden Morgen liegt ein frischer Schlafanzug bereit. Immer in der richtigen Größe – Die Schwestern haben sich nie geirrt.
Nach einer Woche ist die Infektion fast weg. Die Augentropfen werden reduziert. Von Mitternacht bis sechs Uhr habe ich Ruhe. Die Tropfbeutel bleiben. Alle sechs Sunden zwei. Eine Schwester hat mir einen fahrbaren Ständer organisiert, damit ich zum pinkeln nicht klingeln muss. Dann werde ich auf eine andere Station verlegt. Da soll die OP vorbereitet werden.
Mache immer neue Erfahrungen. Eine Schwester fragt, welchen Leistungssport ich betreibe. Habe laut Röntgenaufnahme ein größeres Herz, dazu einen sensationellen Blutdruck und einen Ruhepuls von 56 Schlägen. Kein Wunder, wenn ich den ganzen Tag im Bett liege. Dass ich nur am Strand von Médano spazieren gehe, glaubt sie mir nicht.
Meine Zimmergenossen wechseln. Einer kam nachmittags, für eine OP am nächten Tag an. Reichlich angeknallt, weil er mit Kumpels den Abschied gefeiert hatte. Aber 82 Jahre und ein Original. 50 Jahre Taxifahrer in St. Cruz. Nachts musste er alle 20 Minuten aufs Klo und wurde aggressiv wenn er seinen Stock nicht fand und die Schwester nicht gleich kam. Seine Tochter hat dann bestätigt, dass es sich um Symptome von Alzheimer im Anfangsstadium handelt. Nachts hörte er mit einem Transistorradio mit gespreizter Skala den Taxifunk von St. Cruz. Kopfhörer mochte er nicht.
Juan ist Kapitän und Eigner mehrerer Wale-Watching Boote in Los Gigantes. Nicht nur, dass Frau und Familie fast ständig da sind, kommen auch die Mannschaften der Boote zum gemeinsamen Fernsehen. Ständig 8-10 Leute im Zimmer und blödeste Rätselsendungen im spanischen TV.
Juans Darmspiegelung hatte zunächst ein positives Ergebnis. Dann, mehrere Tage, Blut im Urin. Die Schwestern haben Wasserbeutel in einem Einkaufswagen herangeschafft und fast ständig den Beutel vom Katheder gewechselt. Wie sie ihm das Wasser zugeführt haben konnte ich nicht sehen
Morgen wird die Hornhaut transplantiert. Riesenglück, das die einen Spender haben. Was dabei raus kommt kann mir keiner sagen. Hoffe darauf, dass ich sehen kann.
27. November 2013
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Seit zwei Tagen muss ich mit einem Desinfektionsgel duschen. Am Morgen der OP kommt eine Spezialschwester, die mir weiße Stützstrümpfe anzieht und mir einen OP-Kittel verpasst. Auch perfekte Größe in weiß – sehe aus wie ein Weihnachtsengel. Finde leider keine Schwester, die ein Foto macht.
Irgendwann kommen die Pfleger und schieben mich mit Bett durch die Gänge in de OP. Bereich. Hier warten ca. 15 Patienten, es kommen und gehen ständig Betten. Gegen 11 Uhr geht es los. Umbetten auf eine Bahre mit Warmluft - dann auf den OP.Tisch. Sehe noch den Chef, der ein paar Weisungen erteilt, die ich nicht wirklich verstehe. Dann bin ich auch schon weg. Gegen drei werde ich wieder wach, wieder im Wartesaal. Das Auge ist zugeklebt. Die Schwester erkundigt sich, wie es mir geht. Erklärt mit, dass alles perfekt gelaufen ist. Später bin ich wieder in meinem Zimmer. Da wieder die absolute Hektik mit Juans Sippe. Auch am nächsten Tag, obwohl Ruhe angeordnet ist. Darf nicht aufstehen und das OP.Hemd und die Stützstrümpfe erst am nächsten Tag ausziehen. Wegen der vielen Personen im Zimmer ist es furchtbar heiß. Muß im Beisein von acht Leuten in die Ente pinkeln.
Am nächsten Morgen um sieben, kommt eine junge Schwester und nimmt mir das Pflaster ab. Sie freut sich mit mir, dass ich mit dem operierten Auge sehen kann.
Dezember 2013
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Seit Montag bin ich raus - bisher kein Änderungen - kann auf dem Auge sehen, 10% - glaube aber, dass der Spender geschielt haben muss. Alles ein bißchen komisch. Wenn ich das linke Auge abdecke, guckt mich im Spiegel einer von rechts unten an. Mal sehen wie das so weitergeht.
Hatte den 2.Termin nach der Entlassung aus der Klinik. Das hat sich wenigstens gut angehört; "Ganamos la primera batalla, paso a paso - die erste Schlacht haben wir gewonnen, Schritt für Schritt...". Das war der Arzt, der schon am ersten Abend in der Klinik gesagt hat, dass operiert wird. In der Woche davor, war Einer von der Sorte: "Das Glas ist halb leer", der konnte nichts Gutes finden. Ich glaube aber, dass die Doppelbilder zusammenrücken & dass ich etwas mehr sehe. Kann aber auch Einbildung sein. Egal, Zeit und Geduld habe ich.
Juni 2014
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War Anfang Juni zur regulären Untersuchung, alles ist Perfekt. Das doppelt Sehen und die Fehlfarben sind fast weg. Die Sicht ist okay. Links hatte ich immer schon 30% - mit Brille vielleicht 40% - Sehfähigkeit. Rechts sehe ich auf sehr kurze und etwas längere Distanz und mit fokussieren um Einiges besser. Auf vier bis fünf Meter - die Prüfdistanz in der Klinik - aber deutlich schlechter. Die Ärztin hat mir aber abgeraten, jetzt schon an die Brille zu denken, weil die Nähte noch nicht verheilt sein können. Von der O.P. des linken Auges rät sie z.Zt. auch ab. Angeborener grauer Star & Hornhautverkrümmung könnte schwierig werden.
Allerdings fahre ich wieder Auto, nachdem die familiäre Unterstützung - auch die der Wahlfamilie - komplett versagt hat. Habe mehr als 50 Jahre Routine und falls doch was passiert, die Chance mit 70 Jahren nicht mehr in den Knast zu müssen (Witz).
März - Juli 2016
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Gestern abend war der Termin bei der Augenärztin. Jetzt weiß ich noch weniger als vorher. Mit der Brille wird es nichts. Habe auf dem rechten Auge 12 Dioptrien. Das könnte man verbessern wenn man die OP-Punkte entfernen würde. Keine Ahnung was das ist. Ihre Empfehlung Kontaktlinsen. Mir wird schon schlecht, wenn ich daran denke.
Habe mit Devora über Kontaktlinsen gesprochen, damit ich loslegen kann, wenn ich ein bisschen Reserve habe. Dabei festgestellt, dass die im Vergleich zur Brille, richtig günstig sind. Mir ist schon vor einiger Zeit die Frage gekommen, dass ich mit der verletzten Hornhaut, wochenlang Tag & Nacht eine Schutzlinse getragen habe. Gibt es sowas als Kontaktlinsen, mit besser gucken? Ergebnis: Das Internet ist voll mit Wochen & Monatslinsen. Im Paket zu 6, Stückpreis 3,55 ¤. Jetzt suche ich jemand, der mir dazu was sagen kann. Der Gedanke mir täglich Kontaktlinsen ins Auge zu fummeln, lässt mich schaudern. Hab das mal probiert mit tierischen Schmerzen. Beim Optiker war das genau so. Das war der Tag, an dem Maria den Schlaganfall hatte, weil sie sich so aufgeregt hat. Behauptet sie jedenfalls. Nur bei dem Doktor in Adeje war es problemlos, weil er Schmerztropfen benutzt hat. Kann natürlich an der Verletzung gelegen haben.
März 2021
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Heute war ich mal wieder beim Optiker, weil ich wenigstens eine neue Sonnennbrille brauche. Nach seiner Meinung ist die Hornhautreanplantation auf den rechten Auge von 2013 versaut. Auf dem linken Auge habe ich grauen Star. Nach einer OP kann ich damit sehen wie ein Adler.
Nach der Auskunft von 2012 in der Clinica Adeje, konnte man wenigstens damals, angeborenen grauen Star mit erheblicher Hornhautverkrümmung nicht operieren. Dafür, dass mit der OP etwas nicht stimmt spricht, dass der Chefarzt der HUNC-Augenklinik, bei der Nachuntersuchung nicht zufrieden war, was ich damals nicht verstanden habe. Wenn sie das gewusst haben, ohne es zu korregieren ist unklar.
Jetzt muss ich endlich eine Klinik finden , die das unabhängig untersucht. Die besten Augenklinken der Welt sind Dank ONCE in Spanien & dort lebe ich.