Mein Teneriffa - So fing das mal an - Eine viel zu lange Geschichte....

Im Frühsommer 1976 - kurz nach der Scheidung - war ich in den USA. 8000 km mit dem Wohnmobil durch den Westen. Der Vietnamkrieg war gerade beendet. Gerald Ford war Präsident. Hollywood versuchte zu erklären, weshalb die USA den Vietnamkrieg eigentlich gewonnen haben. Da traf man viele Leute in Kalifornien, aber auch in Oregon & Washington, deren offene Art mir gefallen hat. Gutbetuchte mir riesigen Wohnmobilen, oder Ex-Hippies am Strand. Da hatte ich zum ersten Mal die Idee, woanders zu leben. Zur 200 Jahrfeier am 4. Juli, war ich in San Francisco. Als Ende der Tour war Los Angeles geplant. Bin aber nochmal nach San Francisco geflogen & habe auf Disneyland verzichtet, obwohl ich in Anaheim war.

Im nächsten Jahr war ich wieder in San Francisco. Von San Jóse, später Silicon Valley hatte ich gehört, aber nicht kapiert worum es ging. In dieser Zeit habe ich mal einen gebrauchten Taschenrechner für 250 DM gekauft. Der konnte nicht mehr. als heute das 3,50 € Teil vom Chino. Ich stand am ersten Tag vor einem Reisebüro & habe gegrübelt, ob ich für 250 US-$ nach Hawaii fliege. Habe dann in Chinatown, nahe meiner Pension, BERLITZ gefunden & einen Englisch-Kurs belegt. Ein Lehrer - ein Schüler. Mein Lehrer war Englisch-Prof. in Berkeley.
Der Chef Walter Häusler stammte aus BW, mit entsprechendem Dialekt. Wir sprechen alles, außer Hochdeutsch. Der war von meinem Westberliner Hochdeutsch fasziniert & hat angeboten mich als Deutschlehrer auszubilden & einzustellen, wenn ich es ernst mit dem Umzug meine. BERLITZ beschäftigt ausschließlich Muttersprachler als Lehrer. Die Anfrage in Sacramento beim Arbeitsamt, wegen der Greencard, erbrachte eine Liste von 268 deutschen Muttersprachlern, teilweise Uni-Professoren. Damit war die Idee USA erst mal erledigt. Als Handwerker, Klempner, Tischler, Schlosser, Bäcker gab es bessere Möglichkeiten. Als Dienstleister ohne große finanzielle Reserven, keine Chance. Heute bin ich froh, dass es nicht die USA geworden ist.

Seit 1978 war ich Selbstständig & habe 1982 ein Wohnmobil gekauft. Damit 1983 Frankreich, Spanien & Portugal erkundet. In Hyres an der Cote d´Azur bin ich mal hängen geblieben & habe dort gute Leute getroffen. Portugal im nächsten Winter war interessant. In Albufeira an der Algarve habe ich mich mit dem Wirt der Pension Bremen, Egon von Rekowski, angefreundet. Der hatte im Winter viel Zeit. Es war an der Zeit mal Wäsche zu waschen. Ich habe einen Waschsalon gesucht. Da es so was in Albufeira nicht gab, kam uns die Idee, mal zu checken, wie das dort funktionieren könnte. Viele Kontakte ergaben zunächst, dass man kaum geeignete Räume mieten konnte. Man konnte nur kaufen. Alles kostete 7 Millionen Escudos, damals 100.000 DM.
Im Kopf hatte ich natürlich die besten Waschmaschinen der Welt, von Miele. Ein Gespräch mit den deutschen Eigentümern eines Einkaufszentrum in Albufeira ergab, dass sie vor Jahren eine Klimaanlage für Ihr Zentrum bestellt haben. Die lag beim Zoll in Lissabon, ohne Chance die jemals raus zu kriegen.

Es war Ende November, Anfang Dezember. Gegen 17 Uhr war die Sonne weg. Regelmäßig brach die Stromversorgung zusammen, wenn die Leute ihre Heizlüfter eingeschaltet haben. Von Auto-Batterien, Petroleum-Lampen bis Kerzenlicht, habe ich alles gesehen. Der Boss vom Einkaufszentrum hat dann mal gefragt, wie viel Strom man für eine Wäscherei braucht. 30 bis 40 Kilowatt hatte ich errechnet. Der hat fast am Boden gelegen vor Lachen. "Das haben hier zwei Hotels & Sie sehen doch was abends hier los ist".

Jedenfalls haben wir das Thema Wäscherei erst mal vertagt. Nach Weihnachten bin ich nach Deutschland gefahren, weil ich zugesagt hatte zum 70ten meiner Mutter am 5. Januar in Winsen zu sein.
Im Frühjahr bekam ich einen Anruf von meinem Freund Egon: "Deine Wäscherei hat eröffnet!" - Ein Engländer mit dem wir uns unterhalten haben , hat die Idee aufgegriffen. Lange Rede, kurzer Sinn, im nächsten Winter habe ich mir das angesehen. In Praia de Oro, etwas außerhalb von Albufeira hat der Brite eine Reihe von Waschmaschinen & Trocknern aus portugiesischer Produktion aufgestellt. Auf meine Frage nach dem Strom hat er mit den Schultern gezuckt: "Wenn der Strom weg ist, bleiben die Maschinen stehen & springen wieder an, wenn wieder Strom da ist. Wenn es zu lange dauert haben wir einen Generator".
Den Fehler, irgendwelchen Leuten von Plänen zu erzählen, habe ich nicht mehr gemacht.

Im Mai 1984 war ich dann das erste Mal auf Teneriffa. Eine Freundin hatte Wohnungen in Torviscas gekauft & mich gebeten Blumen zu gießen. Torviscas bestand aus der pompösen Einfahrt, einem Riesengelände, das gerade erschlossen wurde. Dann dem Haus mit den Wohnungen meiner Freundin & einer Reihenhauszeile im Rohbau mit einem Musterhaus. Sonst nur Wüste. Den Südwesten habe ich dabei kennen gelernt. Die Wohnung, mit Azotea (Dachterrasse) 200 qm. Die Nutzung beschränkte sich auf den Quadratmeter Schatten, den der Sonnenschirm hergab. Im Sommer gibt es dort bei Passat keinen Windhauch, bei Temperaturen weit über 30°.
Mit dem Mietwagen bin ich dann auf der ganzen Insel herum gefahren. Habe mich ein paar Tage im Hotel Los Principes in Puerto eingemietet. War Gast im Hannen-Fass & habe mir die Sprüche anderer Gäste angehört: "Unter Franco war alles besser" etc. Auf La Gomera war ich auch einige Tage. In Playas de las Americas war ich fast täglich in der Bar Berlin. Ralf Gothan hatte das gerade von seiner Mutter Margarita übernommen. Auf dem Weg nach Hause, an der Strandpromenade, gab es die Bar Monika. Monika Kuhn, die Ex von Paul Kuhn & ihrem Freund, der in El Médano eine Druckerei hatte.

Im Winter war ich dann wieder in Spanien mit dem Wohnmobil unterwegs. In Marbella habe ich in der Bar Margit einen Yacht-Kapitän aus Puerto Banus kennen gelernt. Der hat mir das Schiff seines Chefs gezeigt. Ein Berliner Großgastronom, dessen Kneipen ich kannte. Der Boss kam nur ein paar Mal im Jahr, zu verschiedenen Orten im Mittelmeer, wo jeweils die Yacht auf in wartete. Die Freundin des Capitano war auch angestellt. Das Leben, dass die beiden führen konnten, hatte was für sich.

In der Kneipe habe ich auch einen britischen Offizier getroffen. Der hat mich nach Gibraltar eingeladen, wo man gerade die Grenze nach Spanien, nach Jahrzehnten erstmals geöffnet hatte. Durfte sogar mein Wohnmobil unter britischer Aufsicht parken, um die Affen zu besichtigen.

An der Costa del Sol hat es nur geschüttet. Nach dem Abstecher nach Portugal, wegen der Wäscherei, bin ich dann mit der Fähre J.J.Sisters von Cadiz nach Teneriffa gefahren & Silvester 1984 angekommen. Hatte zwar ein Kabine bezahlt, aber nie gesehen, weil es einfacher war im Wohnmobil zu pennen, was damals noch möglich war.

Eines war noch spannend. Ich war schon einen Tag vor der Abfahrt in Cadiz. Auf dem Parkplatz mit mir noch drei andere Fahrzeuge. Insgesamt drei Berliner & ein Schweizer. Keine Überraschung für mich. Als Westberliner in alten Zeiten, war man darauf geeicht, dass an Grenzen etc. alles Mögliche passieren kann. Der Schweizer & ein Berliner mit Tochter wollten nach El Médano. Ohne festes Ziel, habe ich mich angeschlossen. Die Schweizer mit Wohnmobil kannten den Strand am Hotel Playa Sur. Da hab ich mich auch hingestellt. Die Berliner hatten eine Wohnung von Avencio gemietet, den ich auch kennen gelernt habe. Damals ein gut angesehener Gastwirt mit einem Restaurant als Geheimtipp.

So fing El Médano für mich an, aber dass hier mal das Ziel sein sollte, habe ich damals nicht geglaubt.

Zum Ende diesen Jahres werde ich 30 Jahre im Süden von Teneriffa sein. Im Winter 1989 habe ich in der Pension Pilarica am Hafen von El Médano gewohnt & Surfer kennen gelernt, die sich später auch hier angesiedelt haben.

Zuvor habe ich mir noch Fuerteventura & La Palma angesehen. Mit einem Wohnwagengespann bin ich wieder in El Médano gelandet. Den heute beliebten Stellplatz für Wohnmobile am Cabezo habe ich praktisch erfunden.

1992 bin ich zwischen Berlin & Teneriffa gependelt. Ich hatte einen festen Stellplatz auf dem "Camping Nauta". Im Herbst 1992 habe ich mir eine Familie zugelegt & für meine Freundin Anfang 1993 eine bestehende Wäscherei gekauft, die sie & die Familie 20 Jahre Jahre bis 2013 ernährt hat.

Rayfaro, El Médano - Granadilla de Abona, September 2021

Fortsetzung folgt!