Meine Freundin, Partnerin & Mitarbeiterin Mª Jesus ist 1960 auf der Tomatenfinca von Don

Frasco (Francisco Garcia Feo) am Tejita-Strand geboren. Das Gelände ist der heutige Campingplatz

Montaña roja. Die Familie lebte dort als Medianeros, wie viele Andere in den Barriadas

(Arbeiterunterkünfte).

Medianero oder Halbpächter war früher das üblichste System in der Landwirtschaft in ganz Europa &

im Tomatenbereich auf den Kanaren. Dem/der Medianero/a wurden einige Reihen Tomaten auf der

Finca zugeteilt, die er/sie dann selbständig bearbeitet hat. Die Saison lief von September bis Juni. Am Ende

der Saison wurde der Lohn ausgezahlt. Die Medianeros wurden von ihrem Patron, das ganze Jahr

mit Alimentos (Lebensmitteln) beliefert & das Konto am Ende abgerechnet. Ernteausfälle (Wetter,

Ungeziefer) minderten den Ertrag.  Zusätzlich wurde der Tomaten-Markt  auf den Kanaren traditionell in

britischen Pfund abgerechnet, sodass die Unwägbarkeiten der Landwirtschaft durch die

Währungskapriolen verstärkt wurden. Ein Tomatero wusste nie wie hoch sein Einkommen sein wird.


Medianeros die nicht auf den Fincas lebten, weil sie oder ihre Familien eigene Häuser hatten, kauften wenn Geld nach der Abrechnung übrig war, Baumaterial um die Häuser weiterzubauen. Dass Canarios in halbfertigen  Häusern wohnen um Grundsteuern zu sparen ist ein Märchen für Touristen.


Das Medianero-Sytem gibt es noch heute. In den 80ern wurde es dann dahingehend verändert, dass monatliche Abschläge in Höhe des Mindestlohnes bezahlt werden müssen & ein ermäßigter Tarif für die Seg. social eingeführt wurde.  Außerdem eine Versicherung für Ernteausfälle. Der Währungs-Tineff mit dem britischen Pfund wurde beibehalten. Der Verdienst der Tomateros war immer davon abhängig. Makaber, wenn ein Tomatero in der Zeitung zuerst die Devisenkurse sucht. Zum Glück ist dieses Halbpachtsystem, durch die soziale Absicherung überholt.


Im Winter ´89/´90  habe ich in der Pilarica am Hafen von El Médano gewohnt. In der Kneipe habe ich einen Obst- & Gemüse-Einkäufer von COOP kennen gelernt, damals eine deutsche Handelskette.  Er hat erzählt, dass auf den Kanaren für den Export eine Sorte aus israelischem Hybrid-Samen angebaut wird,  hartschalig, wässerig & lagerfähig, hauptsächlich für den britischen Markt. Ein Kilo Samen kostete 25.000 Peseten (300 DM oder 150 Euro). Die gleiche Sorte wurde damals schon in Marokko, Bulgarien & Rumänien angebaut. Mit dem Handelsabkommen der EU mit Marokko, dem Beitritt Bulgariens & Rumäniens zur EU mit geringeren Personalkosten & den Handelswegen per Schiff von den Kanaren, sind Tomaten dieser Sorte nicht mehr Konkurrenzfähig. In einem Artikel  von Canarias 7 kann man lesen, dass die Produktion von 450.000 t auf 51.000 t  zurückgegangen ist. Die Holländer züchten & produzieren 50 Sorten Tomate & hier auf jedem Bauernmarkt hier, gibt es ein Dutzend verschiedene Sorten.


Die Finca am Tejita wurde irgendwann eingestellt. Die Familie von Mª Jesus hat noch lange auf der Finca von Juanito in San Isidro gearbeitet, bis sie nach und nach andere Arbeit gefunden haben. Die Familien vom Tejita halten den Kontakt, jetzt schon in der dritten Generation.  Eine Freundin haben wir mal 1993 auf einer Finca auf der Westseite besucht. Sie lebte dort mit ihrer Familie in den Barriadas. Ihr Mann Chicho (Jesus) war damals schon sehr krank, wog 45 Kilo & ist dann bald an der Zuckerkrankheit gestorben, mit 40 Jahren.

Die Finca von Juanito gehört heute einem internationalen Konzern. Der Patron ist Angestellter. Dort habe ich mal Pedro besucht. Auch einer aus den Familien vom Tejita. Da hat er die Barriadas renoviert für Gastarbeiterinnen aus Rumänien.


Info: Medianero / Halbpächter:

Am Schlimmsten war dieses System während der Hungersnot in Irland Mitte des 19. Jahrhunderts. Wilhelm von Simpson beschreibt es in der Roman-Trilogie "Die Barrings" für Ostpreußen auf den Rittergütern. Miguel Angel Asturias erhielt 1967 den Nobel-Preis für seinen Roman "Sturm". Er beschreibt das Medianero-System in der Holzwirtschaft von Guatemala. Naja & wer es gemütlich mag, kann zu Weihnachten noch "den kleinen Lord" im TV gucken.