Spanien: Staatsschulden-oder Bankenkrise?

 
85 % der Spanier wohnen in Eigentum. Entstanden in den 60er Jahren, durch ein Gesetz von FRANCO, das Mieterhöhungen verbot. Eine Reihe solcher "Sozialgesetze" sollten wahrscheinlich die linke Revolution verhindern. In der Folge wurden nicht nur, keine Mietwohnungen mehr gebaut, sondern die Mieter mit unglaublichen Methoden gezwungen, Wohnungen zu kaufen.
Hypo-Zinsen von 18-22% waren bis zur Einführung de Euro normal. Die Banken haben bestehende Immobilien bis ca. 60% des Wertes finanziert. Kleinere Objekte - 10 bist 15 Wohnungen wurden im Bekannten-und Freundeskreis so realisiert, dass der Grundstückseigentümer, ein bis zwei Wohnungen zugesagt bekam und Ersparnisse investiert wurden. Das heißt Immobilienerwerb zum Preis der Baukosten. Gewinne machte oft nur der Organisator auf Kosten seiner Freunde.
Wer kein Kapital hatte oder keine bauwilligen Freunde, war auf die kommerziellen Anbieter angewiesen. Die boten den Kauf einer Wohnung, voll möbliert, gegen eine kleine Anzahlung. Die Bank finanzierte zu 100% oder mehr, gegen die Zusage des Bauunternehmers oder Immobilienvertreibers, die Immobilie zurück zu nehmen, falls etwas schief geht.  Es wurde üblich, der Tochter diese Anzahlung von 500.000 Peseten oder 3.000,-  € zur Hochzeit zu schenken, oder dem Sohn zum bestandenen Abitur.  Normal bei jungen Leuten wurde, den Verdienst der Partnerin für die Hypothek einzusetzen. Das war keine schlechte Methode, weil bereits Anfang der 90er die Immobilienpreise stiegen. Mit der Einführung des Euro passierte folgendes:
 
Die Hypo-Zinsen fielen fast schlagartig auf ein Viertel der vorherigen Zinsen. Die Käufer, gewöhnt ein Monatsgehalt aufzuwenden, kauften gleich die bessere Lage - die größere Wohnung - 2 Kinderzimmer - Doppelgarage - Luxusküche.
Die Immobilienverkäufer, Bauunternehmer und vorrangig die Makler, erhöhten die Preise ins Unverschämte, wissend. dass sich der normale Kunde in Spanien, für die Höhe der Rate, aber nicht für die Höhe der Hypothek interessiert.
Die Bauprojekte wuchsen ins Irre, weil der Markt vorhanden war. Es gab einen Witz: 50% der Spanier wollen eine Zweitwohnung kaufen, die anderen 50% haben schon Eine. Man hört überall, die Russen und die Mafia sind dick im Geschäft. Deutsches Schwarzgeld ist nicht nur in der Schweiz und für Engländer ist Spanien sowieso billig.
 
Die Bau-und Bankenkrise in Spanien begann 2007 als ein großes Bauunternehmen mit 4.500 Mio. Euro in den Miesen, pleite ging und die Caja de Madrid reingezogen wurde.
Der größte Baukonzern ACS ist mit 10.000 Mio. Euro verschuldet, kauft HOCH-TIEF in Deutschland auf Pump und der Chef als Vorsitzender von Real Madrid, Cristiano Ronaldo für 93 Mio. Euro.
ACCIONA, ein anderer Baukonzern, kauft 2006 die Transmediteranea, den cronisch defizitären staatlichen Fährkonzern. Außerdem investieren sie im großen Stil im Dienstleistungsbereich. Speziell Flughafen-Handling - Berlin, Hamburg & London. Das Chaos von Heathrow geht auf ihre Rechnung.
Mit a.W. die großen Baukonzerne schwammen bankfinanziert im Geld und wussten nicht wohin damit.
Apropos Caja de Madrid: Die wurde im September 2011 - mitten im Wahlkampf für das spanische Parlament - mit sieben anderen Regionalsparkassen (alle Pleite), zur BANKIA zusammengelegt und im April 2012 unter Staatskontrolle gestellt. Hätte man die Caja de Canarias oder die Caja de Avila pleite gehen lassen, hätte das nur die Kunden interessiert. Aber die BANKIA ist die drittgrößte Bank Spaniens, systemrelevant und der schräge Bau in Madrid, jeden Tag im deutschen Fernsehen.
 
Fazit:
  • Schuld an der Krise sind zuerst die Baukonzerne. 100% Finanzierungen mit Bürgschaft der Immobilienvertreiber und Bauunternehmer.
  • Zweitens, die Banken, die alles mitmachen aus Habgier, Konkurrenzgründen oder Größenwahn.
  • Spanien hat weniger Staatschulden als Deutschland. Viel weniger als die USA oder Italien. Die Staatschuldenkrise entsteht erst durch die Rettung angeblich systemrelevanter Banken.
  • Die Arbeitslosigkeit, auch der Jungen, lag vor dem Euro bei 30%. Erst der Bauboom hat sie deutlich gesenkt. Die heutige Jugendarbeitslosigkeit von 50% entstand hauptsächlich, weil gut bezahlte Jobs am Bau andere Berufswege unrentabel machte. Die Knüppelarbeit in der Landwirtschaft unter Plastik, hat man gern den Illegalen aus Afrika und Südamerika überlassen. Die legalen Jobs den Polen und Rumänen. Wer mag noch Gemüse buddeln, wenn er mit seinen Händen mal ein Haus gebaut hat.
  • Die Lösung besteht darin den Immobilienbestand komplett neu zu bewerten und Verluste abzuschreiben. Es gibt auch Lagen, die nicht zwangsweise an Wert verlieren.
  • Dann können die Bauruinen fertig gebaut oder abgerissen werden. Solange am Bau keine Arbeit entsteht, fällt die Arbeitslosenquote nicht. 
  • Weiter die Banken zu straffen. Nicht jedes Dorf braucht fünf verschiedene Banken. Die Zusammenlegung der Banken unter Staatskontrolle, führt vielleicht zu einem guten Vorstand, statt der vielen habgierigen Irren.
  • Die Briten entsorgen ihre Rentner in die spanische Krankenversicherung. Das Pfund steigt zum Euro. Die Rentner warten darauf Immobilien zu kaufen oder zu mieten.
  • Das neue deutsche Schlagwort heißt "Betongold". Damit Deutsche wieder Immobilien in Spanien kaufen, fehlen reale Immobilienwerte und Preise.
  • Und wenn Russen oder die Mafia in Spanien Geld verlieren, muss das niemanden wirklich aufregen.
 
 
Rayfaro - El Médano – Granadilla de Abona – 31. Juli 2012