Selbstständig auf Teneriffa

Eigentlich ist hier schon das Wichtige gesagt. Aber über Selbstständigkeit noch nichts. Gegen die Supermärkte anstinken, kann man nur mit einem speziellen Angebot. Hier in Médano gab es seit den 80ern den Supermercado Kiti, der sich auf deutschen Bedarf spezialisiert hatte & von einer spanischen Familie betrieben wurde. Als "Onisimo" keine Lust mehr hatte, wurde er verkauft. Sein Nachfolger hat es nicht geschafft, den deutschen Bedarf auch nur zu kapieren. Da gab es dann, aus alten Beständen, "Preiselbeeren" im Marmeladen-Regal. Sein Vorgänger war deshalb ein Wunderkind, weil er zwar nie D. war, aber gut Deutsch gesprochen hat & auf die Wünsche seiner Kunden eingegangen ist. KITI ist dann in einen größeren Laden gegenüber umgezogen. Wurde dann nacheinander MAXCOP, COVIRAN & jetzt GUIA.

Mein Nachbar Victor hat sich jahrelang mit einem zu kleinen Laden mit "Congelados" gequält. Diesen Laden betreibt jetzt eine italienische Familie, seit einigen Jahren erfolgreich mit dem Bedarf für Italiener.

Meine These: Das deutsche Angebot ist auf der Insel vorhanden. z.B. Cash & Carry - Jesumann in  Las Chafiras. Die deutsche Truppe wird zwar kleiner & älter, aber den Bedarf gibt es.

Ja, davon lebt "Goodbeye D." & bedient die Miesmacher-Mentalität der Angestellten-Seelen, sie keinen Mumm haben. Das ist aber nicht die Realität. Im  Norden gibt es d. Firmen in dritter Generation. Hier im Süden auch erfolgreiche Gastronomen. 
 
Wer ein großes Vermögen mitbringt etc.....
 
An wen bezahlen Sie denn die Gebühren für das Copyright für den schon sehr abgehangenen Spruch? Vielleicht auch ein Geschäftsmodell.
 
Das bringt aber André mit seiner Frage nicht weiter. Er kommt aus Mc Pom, einer Gegend, die genau wie die Kanaren, ziemlich einseitig vom  Tourismus geprägt ist. Sogar die Werften bauen hauptsächlich Kreuzfahrtschiffe. Die Verdienstmöglichkeiten oder Erwartungen sind nicht weit auseinander. Ein Problem ist, dass er hier in direkte Konkurrenz zu den hiesigen Arbeitnehmern tritt für die es nichts anderes gibt.

Einzelhandelskaufmann ist in D. ein Lehrberuf, mit dem er der hiesigen Supermarkt-Verkäuferin überlegen ist. Laden Sie sich mal das Berufsbild runter. Die Mentalität deutscher Kunden ist auch anstrengend. Aber es kommt auf die eigene Mentalität an. Machen & nicht erzählen was nicht geht.
 
Dazu fällt mir eine schon etwas ältere  Geschichte ein. In der Kneipe kam ich ins Gespräch mit einem Prof. für Astro-Physik aus BW. Seine Uni belegt Forschungszeiten am Observatorium Izaña. Für die Tage der An- & Abreise hatten sie ein Wohnung in  El Médano angemietet. Der Prof. erzählte, dass es in Spanien eine große Zahl von hervorragend ausgebildeten Astro-Physikern gibt. Leider haben nur die wenigsten eine Chance jemals an den Observatorien der Kanaren zu arbeiten. Der Prof. ging dann bald schlafen, weil er früh aufstehen musste, für die Tour durch die Berge, zu seinem Arbeitsplatz.

Später kam ein Norweger in die Kneipe. Er erzählte, dass er Schichtführer im Kraftwerk Granadilla ist. Außerdem, dass es zwei weitere Kollegen gibt die als dort als Schichtführer arbeiten, ein Ire & ein Amerikaner. Habe nach seiner beruflichen Qualifikation gefragt: Elektro Diplom-Ingenieur.

Wie gesagt, lange her, dass es für diese Jobs keine Spanier gab. Hier in Granadilla, gibt es seit über 20 Jahren eine Fachschule die ab mittlerer Reife Techniker ausbildet. 
 
Sie sind noch nicht so lange auf der Insel. Sonst könnten Sie wissen, dass es schon sehr lange Wäschereien gibt. Mal von den Industrie-Betrieben abgesehen, die sich um die Hotelwäsche kümmern, gab es immer Betriebe für den privaten Bedarf. Schwer durchgesetzt hat sich die "Selbstbedienung", die es in den USA & Nordeuropa seit mehr als 50 Jahren gibt. Nicht nur in  Wäschereien, auch auf Tankstellen z.B.
 
Die "neuen" Betriebe, sind Franchising-Systeme. Der Franchising-Geber stellt den gesamten Betrieb hin & bestimmt Preise, sowie die Abläufe. Jeder kennt McDonalds & die Probleme der Franchising-Nehmer. Was ich sonst so kenne, ist eine Neuauflage des "Medianero/Halbpächter-Systems", das ich hier schon mal im Tomatenbereich beschrieben habe.
 
Hier in meiner Gegend gibt es jetzt zwei SB- Wäschereien. Die sind aufwändig mit schwedische Maschinen ausgestattet & arbeiten ohne sichtbares Personal. 12 Kg, auch heiß inkl. Waschpulver kosten 5 Euro. Das Geld müssen die Trockner bringen. In einer Gegend mit viel Sonne & Wind trocknet die Wäsche auf der Leine fast schneller als im Trockner. Die Leute nehmen die Wäsche geschleudert mit nach Hause.
 
Hier wurde es schon mal mit Automaten Lokalen versucht - Essen & Getränke. Nach Ablauf der Mietverträge sind die verschwunden.
 
Okay! Die "Lavanderia  el Médano" gab es seit 1988 & ich habe sie 1992 für meine Freundin, Partnerin & Mitarbeiterin gekauft. Der Betrieb hat 20 Jahre lang Sie & die kanarische Familie ernährt, bis die Chefin & Geschäftsführerin 2012 mit 52 Jahren einen Schlaganfall hatte. Nachdem 2013 klar wurde, dass sie nicht mehr Arbeitsfähig wird, wurde der Betrieb aufgegeben. Das war zu dieser Zeit der älteste nicht gastronomische Betrieb in  El Médano. Außer dem Surfbetrieb von Klaus Gahmig am Hotel  Playa Sur. Das 25jährige Jubiläum zu feiern hatte keiner mehr Lust.
 
Man hört ja, dass in D. alle Taxifahrer promoviert sind, wirklich krass ist das aber hier. Habe mich mal gewundert, dass meine Kassiererin bei der Bank erzählte, dass sie ein abgeschlossenes Studium als Lehrerin hat. Naja & eine Enkelin meiner Wahlfamilie hat als Erste Abitur & arbeitet im Supermarkt usw. usw.
 
Fazit: Wer eine Idee hat, vielleicht auch die Finanzierung, sollte die Selbstständigkeit probieren, besonders als Ausländer.